Hallo Synthesizerfreund,
Analoge Synthesizer kommen immer wieder ins Gespräch.
Mit kaum einem anderen Instrument lassen sich zum Beispiel Sequenzen während
des Abspielens, also in Echtzeit, klanglich und rhythmisch in allen Belangen
verändern ohne daß es dabei hörbare Unterbrechungen oder andere
Störungen gibt. Kein anderes Synthesizersystem macht es möglich, Klangideen
so gezielt in die Tat umzusetzen denn die subtarktive Synthese ist relativ einfach
zu verstehen und mit der nötigen Übung kann man den Geräten intuitiv
arbeiten. Du hast sicher schon gemerkt, dass ich Modulare Systeme absolut favorisiere,
quasi die Creme de la Creme der analogen Synthesizer. (grins)
In den letzten Jahren kamen einige virtuell-analoge Systeme
auf den Markt die mir persönlich wegen der Bedienung (über Displays
mit vielen Bedienebenen oder über PC-Programme) jedoch kein richtiges Modularsystem
ersetzen können weil ich gerne während des Spielens die Klänge
dynamisch und nach Lust und Laune verändere.
Für mich und viele andere steht also der Gebrauchtkauf
oder Neukauf mit seinen Tücken auf dem Wunschzettel. Wenn man großes
Glück hat und tatsächlich einen analogen "Kasten" angeboten
bekommt, geht es als nächstes darum, ob das Gerät auch noch richtig
funktioniert. Wie stellt man nun in relativ kurzer Zeit fest, ob die wichtigsten
Parameter den Vorstellungen entsprechen? Obwohl die inzwischen weit fortgeschrittene
Technik eigentlich jegliche Ungenauigkeiten ausmerzen kann, verwenden Hersteller
gerne billigste Bauteile und einfachste Schaltungen zur Gewinnmaximierung. Leider
gibt es dadurch oft unangenehme Überraschungen. Mein Standpunkt dazu ist:
Entweder ein richtiger, guter Synthesizer - oder gar keiner! An "halben
Sachen" hat man nicht lange Freude.....aber das muß jeder mit sich
selbst ausmachen.
Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn ich einen Synthesizer
austesten will, gehe ich wie folgt vor:
Als
erstes versucht man die Stimmstabilität
der VCO's zu überprüfen. Das Gerät
sollte dafür eine längere Zeit nicht angeschaltet gewesen sein. Wenn
es schon warm ist, und Du in einem Laden testest, verabrede Dich mit dem Verkäufer,
so daß Du beim nächsten Besuch ein "kaltes" Gerät testen kannst.
Schalte dann das Instrument ein, drücke eine Taste auf dem Keyboard (nur
einmal) und stimme alle vorhandenen VCO's auf einen Ton. Das kann
der Kammerton "A" sein, muß es aber nicht. Nach spätestens 5 Minuten
bei Bedarf noch einmal nachstimmen. So, jetzt muß der Synthy die Stimmung
halten. Damit man das überprüfen kann, verwende ein Stimmgerät
oder eine Stimmgabel und lasse die Kiste für mindestens 15 Minuten
unangetastet. Wenn die Tonhöhe dann noch stimmt ist also die Stimmstabilität
gewährt und die Keyboard-CV ist ebenfalls mit überprüft worden
worden wenn zwischendurch keine Taste mehr gedrückt wurde (!!).
Nun
überprüft man die Spreizung, die Oktavreinheit
der Tongeneratoren und der Keyboard-CV. Dazu greift man auf dem Keyboard
die unterste Oktave und überprüft, ob das auch wirklich eine Oktave
ist. Wer dafür kein Ohr hat, muß wieder ein Stimmgerät oder
noch genauer - einen Frequenzzähler benutzen. Die Frequenz muß sich
genau verdoppeln - aber wem sage ich das !? Gut, nun greift man die höchstmögliche
Oktave und auch hier muß alles genau (!) stimmen. Sollten hier schon Fehler
auftauchen, wird es praktisch unmöglich sein mit dem Instrument tonal sauber
zu spielen. Nun schaltet man an den VCO´s die Oktavschalter jeweils eine
Oktave rauf oder runter um zu testen, wie genau die Umschaltung funktioniert.
Abweichungen sollten möglichst nicht auftreten sonst "darf" man ständig
nachstimmen.
Als
nächstes knöpft man sich die/den Filter
(VCF) vor: Ohne Eingangssignal sollte ein guter
Filter mit voll aufgedrehtem Resonanzregler von alleine schwingen. Der Ton,
der dabei entsteht, kann in der Frequenz mit dem Cuttoff - Regler (Grenzfrequenz)
eingestellt werden. Bitte an die Anfänger: Vorsicht mit der Lautstärke,
kein Händler freut sich über "zeschossene" Hochtöner oder Sprünge
im Schaufensterglas! Jetzt testet man die Frequenzabhängigkeit des
Filters. Dazu versorgt man einen nicht regelbaren CV-Eingang des Filters (evtl.
spezieller Keyb. - CV-Input?) mit der Tastatur - CV. Die Resonanz wird auf 100%
gestellt und mit dem Cuttoff - Regler stimmt man den Filter z.B. auf "A" (Taste
am Keyboard zuvor drücken). Das weitere Vorgehen ist genau das gleiche
wie beim VCO im 2. Abschnitt weiter oben beschrieben. Oktavreinheit gegeben
? Ja? - fein!
Weiter im Text: Resonanzregler und
Cuttoff auf 0% stellen und ein weißes Rauschen auf den Filtereingang
geben. Alle CV´s ebenfalls abschalten. Totenstill sollte es jetzt am Filterausgang
sein wenn es sich um einen Tiefpass (LP) handelt. Jetzt die Cuttoff langsam
bis zum Maximum aufdrehen. Langsam und stetig sollte das Rauschen lauter, heller
werden. Jetzt greift man sich eine weitere CV - die vom Hüllkurvengenerator
- und steuert damit zusätzlich einen der Filter-CV Eingänge an (Abschwächer
aufdrehen!). Es darf keine weitere Klangveränderung geben wenn durch Tastendruck
die Hüllkurve ausgelöst wird! Auch ein Knacken ist nicht erwünscht.
So - und gleich die fast noch wichtigere Gegenprobe: Cuttoff und Resonanz auf
0%. Ein Envelope steuert den Filter voll durch: Dazu am Envelope Sustain voll
aufdrehen und Taste gedrückt halten. Der Filter sollte durch diese CV völlig
geöffnet werden. Wenn man jetzt den Cuttoff Regler bis zum Anschlag aufreißt
und sich noch Klangveränderungen ergeben, ist der Filter (für mich
jedenfalls) gestorben (keine Dynamik).
Ein letzter Schnelltest soll mir das
Resonanzverhalten zeigen: Dazu regelt man zunächst alle Signaleingänge
zum Filter auf 0% herunter und wählt eine mittlere Cuttoff. Dann erhöht
man ganz allmählich die Resonanz. Die Res. - Frequenz sollte allmählich
lauter werden ohne Sprünge im Volumen oder Tonhöhe. Ist das in Ordnung,
versucht man am besten noch unterschiedliche Kombinationen von Resonanzstärke
und Cuttoff-Frequenz. Ein wirklich guter Filter verhält sich absolut neutral
und Verzerrungen treten nicht auf. So, zum Schluß sollte überprüft
werden ob die Eingangssignale bei 100%iger Resonanz auch vollständig unterdrückt
werden (muß so sein!).
Also: Resonanz auf 100%, Eingangssignale auf 100% und
am Cuttoff rumdrehen. Es dürfen keinerlei Verfälschungen des Resonanz-Tones
auftreten. Der letzte Test ist, die Resonanzeinstellung langsam zurückzunehmen.
Das Eingangssignal sollte nach und nach die Resonanzfrequenz übertönen.
Je länger die Res. - Freq. sauber klingt und ohne Sprünge bleibt,
desto besser.
Eine
weitere häufige Schwachstelle ist der Ringmodulator.
Obwohl es ein vergleichbar simples Modul ist, wird hier gerne auf die Unkenntnis
der Käufer gebaut: Es ist ein ganz kurzer Test. Ein Ringmodulator besitzt
2 Eingänge (X und Y) und einen Ausgang (Z). An diesem Ausgang darf nur
dann etwas herauskommen, wenn beide Eingänge mit Signal- und / oder Steuerspanunngen
versorgt werden. Ansonsten ist das Ding überflüssiger Ramsch.
VCA-
ein spannungsgesteuerter Abschwächer. Bitte hier überprüfen,
daß er schon bei einer CV von 5 Volt (z.B. vom auf 50% gestellten Sustain
eines Envelopes (ADSR) die Eingangssignale voll durchläßt. Das ist
wichtig um richtig "knackige" Sounds hinzubekommen. Ein zweiter Test: den VCA-Eingang
offen lassen, Steuerspannung z.B. langsames Rechteck auf den CV-Eingang geben.
Am Ausgang darf nichts von der CV durchschlagen !
Ok, soweit der Kurztest, mehr ist in ein paar Minuten nicht zu machen.
Mach Dir die Mühe und schau Dir Dein Instrument
gut an bevor Du Geld ausgibst. Sicher ist auch der Vergleich Preis-Leistung
wichtig, aber darf der Preis wirklich allein entscheidend sein? Mit der Zeit
lernen die meisten Benutzer von Synthesizern dazu und dann fallen vielleicht
gravierende Fehler zu spät auf, Fehler, die man nicht mehr korrigieren
kann ohne das ganze System wegzuwerfen und ein anderes neu zu kaufen. Nach der
Enttäuschung mit dem Doepfer - System A-100 vor längerer Zeit, blieb
auch in diesem Jahr (1999) das, angeblich von EMS entwickelte System "RS - Integrator"
weit hinter der Qualität zurück, die man vor über 20 Jahren noch
als selbstverständlich ansah. Ich kann diese Entwicklung nur bedauern.
Auch heute, im Jahr 2004 hat
sich nichts an der Situation verändert. Es gibt eine ganze Reihe analoger
Syntesizersysteme die zum Teil für horrende Preise angeboten werden. Leider
ist das nicht einmal eine Garantie für gute Qualität, leider wird
gepfuscht was das Zeug hält und ich denke, das kommt davon, das die Kunden
zuerst nach dem Preis fragen und Qualität kaum mehr beurteilen können.