Die BME - STORY

aus meiner persönlichen Sicht


(einige Bilder lassen sich vergrößern)

Wer oder was ist oder war BME?

Nach einer etwas längeren Datensammlung und stöbern in Fotoalben möchte ich versuchen, so eine Art Biografie der Firma BME zu umreißen damit die Spekulationen nicht uferlos werden und kursierende Beschreibungen einmal etwas richtiger dargestellt werden.

Von der Firma BME lasen wir Ende der 70ziger Jahre eine Kleinanzeige in der ein Synthesizer-Modularsystem beworben wurde. Ob es damals eine Anzeige im "Riebes Fachblatt" war, in einem Mitgliederheft des IME Informationskreis Musikelektronik (der sich später AME "Arbeitskreis..."nannte, bevor er sanft aber fest einschlief), ob es eine Anzeige in der "Elektor" war oder in der ganz neuen und kleinen Frankfurter Synthesizerpostille "Kaleidoskop", kann ich heute nicht mehr sagen. Mein Speicher ist leider kein "nicht-flüchtiger" und in der Hoch-Zeit waren uns Synthesizer das Wichtigste. Fotografieren, Unterlagen sammeln, das überliessen wir anderen. Wir, die wir uns Cyborg Synthesis nannten und schon ziemlich von Anfang an die Entwicklung der Synthesizer-Scene in Deutschland mitbekommen, zum Teil auch etwas beeinflusst hatten, waren damals noch ziemliche Anfänger. Es gab nirgendwo Möglichkeiten sich über Synthesizer sachlich zu informieren denn kaum jemand kannte diese Instrumente wirklich gut. Als die ersten größeren Serien in den Läden auftauchten, waren die so teuer, wie sich das viele heute nicht mehr vorstellen können. Ein Minimoog kostete damals zwar keine 8000 Schweizer Franken mehr, wie noch ein, zwei Jahre zuvor aber so um die 3600 DM musste man schon bezahlen. Bald schon kamen dann kleinere, billigere Geräte auf den Markt die dann in erstaunlichen Stückzahlen verkauft wurden. Ich denke da vor allem an die Geräte von KORG, den MS-10, den MS-20, den MS-50 und den Sequencer SQ-10.
    Die ersten Synthesizergruppen wurden bekannt und der Ruf der Deutschen Elektronik-Musik ging um die Welt. Für uns waren die großen Vorbilder Kraftwerk, Tangerine Dream, zu denen wir auch lange Zeit gute Kontakte hatten und natürlich die internationalen Stars wie Isao Tomita, Larry Fast, Patrick Gleeson, Patrick Moraz usw. Wir selbst improvisierten auf unseren Geräten was das Zeug hielt und waren ein Teil der "Berliner Schule" die viel mit Sequenzern arbeitete.


Im "Planet Spandau"

Einer von uns Drei "Ur-Cyborgs" verdiente mit einem kleinen Taxiunternehmen gutes Geld und konnte sich einen Riesenkasten leisten, ein PPG Modularsystem. Das Riesendingens hatte mich vom ersten Moment an gereizt und an diesem System lernte ich alles kennen, was mit der Klangerzeugung mit Hilfe von einzelnen Modulen zu tun hatte. Wir gründeten auf Anregung eines unser Besucher im Studio dann kurz darauf eine Synthesizerschule und gaben unser Wissen in Kursform an Interessierte weiter. Eines war für mich ganz klar: Ich musste selbst ein Modularsystem haben! Mein relativ kleines Roland Studio System 100 war zwar schon richtig gut, viel besser als diese Billigheimer von Korg und die unerträglich üblen Kisten von Yamaha aber ich wollte "MEHR", Mindestens einen Quadratmeter Knöppe, vor allem aber mehr Freiheit bei der Verknüpfung von Baugruppen.

       Eines schönen Tages entdeckten wir, wie schon gesagt, eine Anzeige von BME. Das Angebot stach ins Auge und als ich einige Zeit später den Katalog in der Hand hielt, fand ich dort Beschreibungen von hochwertigen Synthesizerbaugruppen zu "Spottpreisen". Wir telefonierten schließlich auch mit dem Firmenchef, Hans Peter Baumann (daher BME = Baumann Musik Elektronik) und fuhren einige Zeit später von Berlin nach Edenried bei Aichach. (Großraum Augsburg)
     Als wir dort ankamen, die Fahrt ging am Schluß durch einen Wald und am 3. Baum mussten wir links abbiegen (so waren wir informiert worden), waren wir überrascht und etwas enttäuscht. Wir erwarteten sowas wie eine kleine Fabrik oder irgendsowas, standen dann aber vor einem Privathaus. Peter, so werde ich ihn hier weiter nennen, war die ganze Firma in einer Person: Entwicklungsingenieur, Fabrikant, Expedient und Werbemanager. Wir plauderten eine Weile und merkten schon bald: Da sitzt uns einer der so wichtigen "Verrückten" gegenüber, jemand, der Visionen und richtig Spaß an der Sache hat. Peters Baugruppen, man konnte die Module damals auch als Bausatz kaufen, fielen durch großartige Qualität und geniale Detail-Löungen auf. Wenn sich andere Hersteller die Zähne an Problemen ausbissen, Peter löste sie nicht nur, er erweiterte die Baugruppen um viele Funktionen und bot das Ganze dann auch noch erheblich billigeran: Das war eigentlich sein Markenzeichen und gerade das "Unmögliche" forderte seinen Erfindergeist heraus.
In einem Text zur Firmengeschichte schreibt er selbst:

"Zur Gründung von BME kam es durch ein echtes "Schlüsselerlebnis":
Schon von jeher hatte ich mich für elektronische Klangerzeugung interessiert (Trautonium, Elektronenorgel etc.) und seit dem Gymnasium damit experimentiert, seinerzeit noch in Röhrentechnik, später mit Transistoren und den ersten halbwegs preiswerten Digital-ICs. Was mir vorschwebte war ein elektronisches Musikinstrument mit echtem Einschwinggeräusch, ähnlich wie Hammond das mechanisch erzeugte, und lebendigem stationärem Klang. (Es entstanden einige Versuchsgeräte für die Verwandtschaft.)
      Ich studierte alle erreichbaren Arbeiten über die Klangentstehung mechanischer Musikinstrumente, machte dadurch die Bekanntschaft eines jungen Orgelbau- Meisters und hatte Gelegenheit, durch ihn die Pfeifenorgel intensiv kennenzulernen.
Eines Tages kam dieser Mensch mit einer Schallplatte an. Er erklärte, das sei Musik von einem "Synthesizer"; er wisse aber auch nicht so genau, was das sei - jedenfalls: diese Klänge seien unglaublich. Er spielte das erste Stück an und mich warf es einfach um. Diese Maschine schien alles zu können: eine neue Klangwelt tat sich auf. Wenn man einen Anstoß für die Gründung von BME sucht: die erste Schallplatte von Walter Carlos (und Robert Moog) war schuld an allem...
     Von da an suchte ich nach Infos über diese "Synthesizer". Enttäuschend: es gab fast nichts, außer einem Referat von Bob Moog und einigen wenig bedeutendenden Aufsätzen zum Thema. Die Recherche war aufwendig - Internet existierte noch nicht - man musste sich alles via Bibliothekskatalog und Verlagsangebot beschaffen.
    Technische Informationen waren gar nicht aufzutreiben. Schließlich habe ich mit den üblichen Standardtechniken der damaligen Elektronik, stark modifiziert, und eigenen Ideen aus der Musikelektronik mehrere Synthesizer-Prototypen entworfen und getestet. Die Sache mit der Spannungssteuerung erwies sich als sehr schwierig beherrschbar, speziell was die Exponentialkonverter und die VCOs betraf.
     
Nach zahllosen Problemen mit Driften, Bauteilefehlern, Toleranzen, Leiterplatten etc. entschloß ich mich trotzdem - mit immer noch steigender Begeisterung - in die Herstellung von Musikelektronik einzusteigen. "BME" wurde aus der Taufe gehoben. Das erste Produkt, der BME 700, kam 1976 zu einem Preis von (weiß nicht mehr ganz genau) ca. 800 DM auf den Markt. Der Synthi- Boom damals war erstaunlich: wir haben auf das erste, winzige Inserat in einer einzigen Fachzeitschrift weit über 300 Zuschriften und mehr als 100 Bestellungen erhalten."

Wir fuhren wieder nach Berlin zurück, mit heißen Köpfen und voller Enthusiasmus. Norbert hatte seinen Minimoog, Klaus sein PPG-Zeug ich aber wollte auch ein "richtiges Modulsystem" haben und kritzelte die Folgezeit auf jedem erreichbaren Stück Papier Anordnungen von Modulen, rechnete Einzelpreise zusammen, kurz: Ich war vom Modular-Virus befallen. Schon bald bestellte ich mir einige Module des PM-10 Modularsstems und baute nach und nach ein erstes, kleineres System zusammen. Die langen Lieferzeiten von BME waren schon damals eine beachtliche Nervenprobe aber es ging einfach nicht schneller, ich musste das einsehen und verteidigte diese Einsicht auch gegenüber Spöttern auch wenn ich mich selbst oft darüber ärgerte.. Kaum war das erste System soweit fertig, daß es vorführbar war, war auch schon der erste Synthy-Kursteilnehmer da, der das Ding sah, hörte, begeistert war und es unbedingt haben wollte - möglichst sofort natürlich. Ich ließ mich damals auch nicht lange bitten und verkaufte ihm das System. Unser gemeinsames Hobby fraß alles Geld auf, welches wir mit Artikeln für Zeitschriften, Testberichten für eine regelmäßige Rundfunksendung und durch unsere Synthesizerkurse erarbeiten konnten. Also wurden wir BME-Händler. Im Verlauf der Zeit baute ich so einige Systeme auf und verkaufte sie dann stets mit etwas Gewinn weiter. Alleine das Geld war es jedoch nicht, ich war, und das habe ich nie bereut, von den BME-Geräten überzeugt gewesen  und habe sie schon deshalb gerne empfohlen - jedoch ohne jemandem etwas aufzuschwatzen!

BME 700
Doch der Reihe nach! Hier ist zunächst nur mal ein Bild des BME 700 zu sehen der von BME 1976 angeboten wurde. Soweit ich noch technische Details zusammentragen konnte, habe ich diese auf meiner Website und auf meiner "Kurs-CD" unter der Rubrik TESTS ausgestellt. Vollständig sind die Informationen nicht, es gibt leider heute keine Unterlagen mehr nachdem Peter der Musikindustrie den Rücken gekehrt hat, doch dazu später.
Hans Peter Baumann schreibt selbst zu dem 700er und vor allem zu dem Festfilter, dessen Sinn damals viele nicht verstanden hatten:
"Einer der großen Vorzüge der spannungsgesteuerten Synthesizer war ihre Systemlogik: Natürlich ist es möglich (wie bei den ersten ARP- Koffersynthis) alles mit allem verbinden zu können, doch für eine halbwegs bühnentaugliche Anwendung engten sich die wirklich nützlichen Verbindungen etwas ein.
Es braucht keine direkten Vorbilder, um nach Klärung der Fragen: "Was soll die Töne/Geräusche erzeugen?" - "Was soll sie modulieren?"- "Wie soll die Klangfarbe und Lautstärke veränderbar sein?" mehr oder minder sinnvolle Klangschienen zu konstruieren. Daraus ergeben sich z.B. Rausch-Beimischungen oder die Kombination von Tonhöhen- CV (vom Keyboard), ADSR- CV und Offsetspannungen für Modulationen fast von selbst.
    Das feste Resonanzfilter im BME 700 habe ich (nach meinen vorherigen Erfahrungen mit natürlichen Musikinstrumenten) logischerweise zur Erzeugung "fester" Formanten eingefügt. Es in digitaler Schaltweise auszuführen sollte dem Benutzer die Merk-Möglichkeit erleichtern und eine gute Reproduzierbarkeit sichern. (Mit den typischen VCFs konnte man eigentlich nur "mitlaufende" Formanten erzeugen, die einen charakteristischen Instrumentenklang nur unzureichend realisieren können.)"

Peter vor seinem PM 10 System

Dem BME 700 folgte dann 1978/79 das Präzisions-Modularsystem PM 10.

Der Kunde hatte die Wahl zwischen komplett aufgebauten und einsatzbereiten Modulen, konnte aber auch Bausätze erwerben. Das Besondere bei BME's Bausätzen war, daß Peter die hochpräzisen Schaltungen selbst zusammenbaute, abglich und als "Hybridmodul" vergoß. Der Kunde musste dann nur noch wenige Bauteile und dieses Modul, oder auch mehrere, auf eine Leiterplatte löten, die Frontplatte montieren und fertig war das Synthesizer-Modul. Ganz erstaunlich waren schon damals die niedrigen Preise. Während viele von den unbezahlbaren Modularsystemen von Moog, Roland und anderen träumten, konnte man hier mit relativ geringem Einsatz richtig große Systeme zusammenschrauben. 1979 konnte Peter dann auch ein polyphones Keyboard anbieten. Was heute als selbstverständlich gilt, war damals absolutes Hi-Tech denn die Entwicklung digitaler Bausteine steckte in den Kinderschuhen.

Wir hielten weiter engen Kontakt zu Peter und fachsimpelten oft stunden- und tagelang am Telefon (seltener wegen der großen Entfernung "Auge in Auge"), Ich kann mich noch gut an eine Gartenfete bei uns in Berlin erinnern, wo er und Manfred Fricke (MFB) sich wirklich stundenlang die Köpfe über die Erzeugung von Rauschen, statistische Faktoren bei digital erzeugtem Rauschen usw. heiß diskutierten während sich die anderen eher um ihre Würste sorgten.
      Er, Hans Peter Baumann war der geniale Elektroniker, wir die Anwender. Eigentlich eine gute Kombination weil dann nicht am Bedarf vorbei gebaut wird. Peter selbst hatte seine Augen und Ohren aber auch überall und hatte vor allem eine Leidenschaft: Neues zu entwickeln, möglichst einfache und preisgünstige Lösungen für Probleme zu finden, wo alle anderen sagen "geht nicht!".
     "Zwischendurch" gab es dann immer wieder einmal Sonderanfertigungen die er auf Wunsch vornahm. Jemand aus Berlin ließ sich z.B. von ihm an ein Hoher "Clavinett-Pianett Duo" einen vollpolyphonen(!) Synthesizer mit Anschlagdynamischen Effekten ranbauen, solch ein Instrument ist bestimmt bis heute absolut einmalig. Nicht nur, daß jede einzelne Taste eine eigene Synthesizerstimme bekam, die Hüllkurve der Tonabnehmer des mechanischen Instrumentes wurde auch noch für eine Anschlagdynamik benutzt. Damals eine kleine Sensation!

    Dann überraschte und Peter uns ein anderes Mal mit einer Spielhilfe, eine weitere Idee, die "zwischendurch" entwickelt wurde. Es war ein flaches Brettchen mit einer Metallplatte und mit dem Abstand der Hand zu der Metallfläche konten verschiedene Steuerspannungen verändern - einen berührungslosen 3D-Controller nannte Peter das Dingens. Bestimmt hat Peter zu Hause auch noch den Staubsauger optimiert und 3D-Fernsehen erfunden, wundern würd's mich nicht.

1979: BME POLYBOARD >>>>>>>

Untätige Zeit, sowas gab es bei BME nicht. Bei Peter musste der Kopf von morgens bis abends rauchen und so entwickelte er "mal eben zwischendurch" ein Polyphones Keyboard, baute mal hier und da Geräte nach Sonderwünschen und und......

(klicken zum Vergrößern)

Werbeanzeige aus "Musik Elektronik" der Zeitschrift des IME
(Informationskreis Musikelektronik)
aus dem Jahr 1981

Werbeanzeige aus "Musik Elektronik" der Zeitschrift des IME
(Informationskreis Musikelektronik)
aus dem Jahr 1981

Beworben wird eine neuartige Spielhilfe für Synthesizer die
Handräder und Joysticks ersetzen kann


1980 dann entstand der "Keyboard-Tuned Analog Sequencer"
Er unterschied sich von analogen Sequencer anderer Anbieter vor allem durch seine extrem hohe Clock-Geschwindigkeit und das "Tuning-System". Man konnte die einzelnen Schritte tonal korrekt stimmen indem man auf der Tastatur des Synthesizers den "Zielton" drückte. Mit Hilfe von Leuchtdioden konnte die Stimmung des Sequenzers sehr genau vorgenommen werden. Ich fand das besonders gut weil wir, wenn wir zusammen Musik machten, fast immer improvisierten. Dabei war es dann wichtig, Einstellungen ständig ändern zu können ohne daß man etwas davon hört. Bei den Klang-Patches hilft da natürlich jede Menge Erfahrung aber bei der Einstellung von Sequenzern musste man zuvor die Töne einzeln abhören können. Nicht so bei dem BME-Sequenzer. Die andere Besonderheit, ich erwähnte es schon, war die hohe Schrittfrequenz. Bis zu 16.000 Schritte pro Sekunde konnte der Sequenzer abarbeiten. Er ließ sich dadurch auch als Tongenerator einsetzen bei dem man die Wellenform, also den Klang, mit Hilfe der Regler frei einstellen konnte. Peter hatte natürlich daran gedacht und einen präzisen Exponentialkonverter in den Sequenzer eingebaut, man konnte ihn daher als vollwertigen "Spezial-VCO" einsetzen. Solche Besonderheiten hatten viele der BME-Geräte: Pfiffige Extras, Spitzenqualität in Elektronik und auch was die mechanische Seite anging, alles zusammen für schier unglaubliche Preise.
Zum Thema Preise: Ich habe noch einige gefunden, sie sind bei den jeweiligen Beschreibungen zu den Baureihen PM10 und AXIOM zu finden.
     
1981 /82 präsentierte BME dann das völlig neu konstruierte AXIOM Modularsystem.
Die Baugruppen waren komplett neu aufgebaut und arbeiteten mit modernsten Technologien ohne dabei auf hochintegrierte Schaltungen zurückzugreifen wie sie Curtis und SSI anboten. Für hochwertige Modularsysteme erwiesen sich diese nicht für ausreichend gut. Das Axiom gab es wieder in der Form einzelnen Module aber auch als Komplettystem in edlem Holzgehäuse. Bausätze gab es keine mehr, zuviel Bastler haben durch Pfusch Fehler eingebaut und diese dann der Firma BME angelastet, Pfusch wollte Peter sich natürlich nicht nachsagen lassen! Beim Fertigmodulsystem wie es auf dem Bild zu sehen ist, schlug wieder einmal der Ästhet, er mochte seine Geräte einfach nicht in einer Form anbieten die nach "selbstgebastelt" aussah, wie das heute noch häufig zu sehen ist.
Komplettsystem: AXIOM (wie abgebildet)
2 VCO, 2LOW-VCO, 2 ADSR, 1 Noise-Random, 1 Audio-Interface, 1 Highpass-VCF, 1 Lowpass-VCF (beide 24db/Okt), 1 Ringmodulator "No Noise", 1 Dual-VCA, 1 Audio-Mixer, 1 Sample and Hold, 1 Parametric Resonators,1 Netzteil, Steckfelder, Attenuator-Mixer, 4-Oktaven-Digital Keyboard. Edelholz-Gehäuse, komplett vorverdrahtet, 1 Satz Patchcords, 1 Handbuch..... Komplettpreis: 2565.- Euro
     
BME - DRUM - SYNTHESIS

Die elektronische Musik änderte sich, immer wichtiger wurden Rhythmusmaschinen und Drumcomputer. Die Firma Simmons z.B. bot ein manuell bespielbares elektronisches Schlagzeug an, Grund genug für unseren Peter, sich auch seine eigenen Gedanken dazu zu machen.
     Im Jahr1982 gab es dann das "RATTLESNAKE - Parametric Percussion System" von ihm. Die Klänge der Instrumente wurden im Gerät auf analogem Weg erzeugt und man konnte sie über Drehregler auch noch etwas verändern. Die Rattlesnake bot eine Vielzahl abrufbarer Ryhthmen an, so wie man das damals haben wollte. J
edes einzelne Instrument ließ sich aber zusätzlich auch einzeln extern triggern. 1983 war dann das System komplett und wir (Baumann, mein Kumpel Norbert Brauer und ich) präsentiertes dieses System und auch das Axiom-System auf der Frankfurter Musikmesse. Passend zu der Rattlesnake gab es dann ein umgebautes Schlagzeug-Übungsset (Remo) mit eingebauten Schallwandlern und einem Kästchen, das anschlagdynamische Trigger erzeugte um damit die Rattlesnake zu steuern. Die Begeisterung beim Publikum war enorm, so starke Resonanz hatten wir alle nicht erwartet. Simmons hatte bereits einen großen Ruf und fraglos auch ein edleres Design. BME aber bot das System etwa zum Bruchteil des Simmons-Preises an. Vor allem Schlagzeugschüler und Schlagzeug-Lehrer waren sehr angetan.
     
 Man konnte die Rattlesnake vielseitig benutzen. So konnte man sie als "einfaches" Rhythmusgerät einsetzen, konnte es als Drum-Sequenzer in eine Synthesizer-Anlage integrieren, konnte es über die Schlagflächen frei spielen oder aber zu den programmgesteuerten Rhythmen zusätzlich Akzente setzen - und das sogar anschlagdynamisch mit Lautstärken und Klangveränderungen.

Die Fachpresse überschlug sich, Bestellungen kamen zu Hauf und es sollte sich schnell zeigen, wo es bei BME klemmte: Die Nachfrage war plötzlich enorm gestiegen, nur kam Peter mit der Fertigung, die nach wie vor sehr aufwändig war, nicht nach. Er konnte so nur einen kleinen Teil der Kunden beliefern, eine Tatsache, die den guten Ruf von BME doch arg belastete

PERCUTER   
 BIG BRAIN     
BOOMER
Noch während der Messe fachsimpelten wir abends beim "Griechen" oder im "Kochlöffel" über Peters neueste Idee. Er wollte ein Drumcomputer-System entwickeln, bei dem die Sounds von digital auf "E-Proms" gespeicherten Sound-Samples kommen sollten. Die Benutzer sollten dann, ja nach Ausbaustufe des "modularen" Systems in der Lage sein, nicht nur fertig bespielte Sound-Chips bei ihm zu erwerben sondern auch selbst die Sounds aufnehmen, bearbeiten und dann verwenden zu können. So entstand dann 1984 das Digitale Drum-System "Percuter". Um genau zu sein war der Percuter das Herzstück, die Klangerzeugung, dann gab es da noch den "Boomer", ein Zusatzgerät mit dessen Hilfe man beliebige Sounds aufnehmen, bearbeiten und auf die Eproms (Speicherchips) brennen konnte. (Eproms lassen sich wieder löschen und erneut "brennen", das nur am Rande)
     Um nicht wieder in die gleiche Falle zu laufen und entwickelte Geräte wegen fehlender Produktionskapazitäten dann nicht verkaufen zu können, suchte Peter einen Hersteller und fand diesen dann auch in der Firma Dynacord. Hans Peter Baumann schreibt dazu: "Meine letzte Entwicklung, den Digitalen Drum Computer "PERCUTER" habe ich an ein namhaftes Unternehmen der Branche verkauft. Die Leute waren sehr seriös und aufgeschlossen, wir haben gut kooperiert und der PERCUTER war ein voller Erfolg."
     Das war sehr diplomatisch ausgedückt. wir hatten es damals anders erlebt und uns so unsere eigenen Gedanken gemacht. Die Firma D. ein "Deutsches Traditionsunternehmen", hat nun mal eigene Leute und die müssen beschäftigt werden, unabhängig davon ob es Sinn macht oder nicht. Peter lieferte D ein komplett entwickeltes und tadellos funktionierendes System ab, welches nur noch an das "Corporate Design" und in Details an eine Großserie angepasst werden musste. Ich meine damit ein etwas anderes Gehäuse usw.
    Was ich damals aus Erzählungen so hörte... noch heute sträuben sich bei mir die Haare wenn ich daran denke! Allein um ein Steckernetzteil zu entwicklen brauchten Dynacords Ingenieure mehrere Wochen, dann wurden Peters einwandfreie Leiterplatte verworfen. Dynacord hatte wohl gerade in ein neues Computer-Layout-System investiert und das sollte die Platine noch mal neu "erfinden". Es kam schließlich, wie es kommen musste: Die neu entwickelte Leiterplatte war voller Fehler, wichtige Chips, damals noch in nächtelanger Arbeit handprogrammierte Einzelstücke, gingen in Rauch auf. Die Katastrophen namen kein Ende und Peter, der zwischenzeitlich mit der ganzen Famile nach Luxemburg ausgewandert war, wohnte fast durchgehend in Straubing um immer wieder die Feuerwehr zu spielen. So wie wir das mitbekamen, litt damals auch die Familie darunter und letztlich wurde die Ehe geschieden, sicher war auch da der Streß mit Dynacord nicht ganz unschuldig.
    Auf der nächsten Musikmesse in Frankfurt konnten wir dann erleben wie absolut unprofessionell sich Dynacord (oops) verhielt, ich empfand das jedenfalls so. Der ganze Auftritt bestand fast nur aus Patzern und Pannen, es war nur noch peinlich denn die Firma ließ wirklich nichts aus! Am schlimmsten war, so fand ich, daß es die Geräte noch immer nicht zu kaufen gab. Man führte Vorserienmodelle und "Dummies" vor und setzte dadurch natürlich alle anderen Firmen die sich mit Drumcomputern befassten auf die Spur der neuen Ideen. Eigentlich hätte Dynacord auch gleich Baupläne verteilen können, das wäre dann wenigstens konsequent gewesen. Naja. Die Vorführung des Systems durch eine kleine Band zeigte einen sehr guten und ebenso lauten Gitarristen, das Drumcomputersystem hat man nur manchmal durchgehört, der Drummer war auch nur sehr mittelmäßig. Dann bot Dynacord kleine Zusatzgeräte für Schlagzeuger an, die jeweils nur 1 oder 2 Sounds ablieferten. (die gab es dann aber tatsächlich schon zu kaufen!) An "Ausprobiertischen" hingen dann 4 oder 5 dieser Geräte an jeweils einem popeligen Stereo-Verstärker an dem wiederum 5 Kopfhörerpaare paralell angeschlossen waren. Schon innerhalb der ersten Stunde waren die meisten Kopfhörer "zerschossen" aber selbst wenn man einen bekam, in dem es nicht nur krachte, hörte man stets 4 oder 5 Leute die gleichzeitig auf die Geräte eindroschen! Wie kann man sich nur so einen Schrott ausdenken!? Trotz(!) Dynacord hat sich aber das Percuter-System aber verkauft. Ein echter Renner wurde es aber nicht weil im Folgejahr natürlich fast jede Firma, zu deren Programm auch Drumcomputer gehören, sowas in der Art anboten.

Hans Peter Baumann war extrem genervt und frustriert von der ganzen Szene. Er selbst schreibt heute zur Firmenschließung im Jahr 1985 folgendes:

Für das Ende der Tätigkeit gibt es einige Gründe:

1. Nachdem über Jahre hinweg kleinere Unternehmen den Markt der Synthesizer geprägt (und gemacht) hatten, traten ab Anfang der Achtziger immer stärker große Konzerne wie Yamaha, Korg und Roland in den Markt ein. Der Markt explodierte regelrecht in allen Richtungen, die noch offen waren. (und: diese Geräte waren immer öfter voll digital, also 100% reproduzierbar.) Es war abzusehen, dass dieser Wandel den bisherigen Anbietern die Luft abschnüren würde.

2. Man hätte auch in die Modularsysteme mindestens MIDI einbauen müssen, um mit den Marktführern kompatibel zu bleiben. Kein großes technisches Problem. Nur: wozu dann noch ein analoges System?

3. Und ein rein digitaler Synthesizer? Dafür schien mir letzten Endes ein schneller Computer mit passender Software geeigneter, wie sich auch weitgehend bestätigt hat. (War aber um 1983 noch viel zu teuer und zu langsam.)

4. Gleichzeitig betrat mit dem Erscheinen der ersten "PCs" der Computer die Bühne. Das hieß, Software- Lösungen für jedermann schienen von nun an einen erheblichen Teil der Musikproduktion zu bestimmen (andeutungsweise, aber viel zu teuer schon im "CMI Fairlight").
Damit war für den (speziell modularen) Analog-Synthi der Weg zu Ende: Er konnte Einstellungen nicht speichern, Patches nicht abrufen und war nicht mit allem und jedem auf dem Markt zu verbinden. Alles an ihm war für "hier und jetzt"ausgelegt. Jeder "Analoge" hätte nun zumindest ein digitales Computer-Interface plus Software gebraucht um Verbindungen zu patchen und Parameter zu speichern. Das schien mir aber nicht der Sinn eines weitgehend experimentell-kreativen Gerätes zu sein. Na ja... der teure "Prophet" hatte das ohne externen PC gekonnt - gerettet hat ihn diese Fähigkeit auch nicht. Wir hätten ebenfalls so verfahren können, sicher mit dem gleichen Ergebnis.

5. Für mein Empfinden wurde das Gros der Musiker (beileibe nicht alle!) nach der Synthi- Euphorie sehr bequem und ziemlich unkreativ, etwa so, wie nach der "neuen deutschen Welle" der noch einigermaßen pfiffige deutsche Musikmarkt fast abschnappte. Man hechelte eher dem "Super-Effekt der Gruppe Tralala" hinterher, die gerade einen Hit gelandet hatte, als selbst Ideen zu entwickeln.  Ich fand Fragen wie "Kann der auch klingen wie der Sound von Tralala auf dem Album 'Shit'?" nicht motivierend für neue Entwicklungen.

6. Nach Jahren der Innovation und der kreativen Alternativen im Bereich der elektronischen Musikinstrumente war die Entwicklung Mitte der Achtziger auf einem gewissen Plateau angelangt, von dem aus nichts wirklich Neues mehr möglich ist. Als Yamaha dann das FM-Syntheseverfahren einführte und Sound Sampling Standard wurde war auch physikalisch eine auf lange Sicht letzte Grenze erreicht. Von nun an konnte man höchstens in immer neuen Varianten den immer gleichen alten Kram anbieten.

          Ein guter Zeitpunkt, um (1985/86) wieder etwas Neues zu machen, oder nicht?

       Nein, ich bin seitdem nicht mehr im Musikelektronik - Bereich tätig. Natürlich habe ich mir immer wieder mal Gedanken gemacht, was man mit den jetzigen Hardware- Möglichkeiten an Neuem machen könnte. Das hat immer noch seinen Reiz! Aber auch in der Musikszene hat sich wohl der Trend zum "ready-to-use" parallel zu MacDonald etabliert und es ist eine freundliche Verirrung, anzunehmen, man könne die Zeit zurückdrehen. Ich bekomme zwar immer wieder einmal Anfragen, ob nicht das Modular- System doch wieder... (keine Ahnung, woher die Leute meine Telefonnummer haben), aber ich möchte nicht wirklich wissen, wie die Realität sich entwickeln würde. Also: keine Re-releases in Planung.

 

Das war dann 1985 also das Ende der Firma BME und das kam auch für uns sehr überraschend. Peter war plötzlich wie vom Erdboden verschluckt und ich hatte gerade kurz zuvor wieder eines seiner Modularsysteme verkauft und stand nun vor einem zwar wunderbar großen, aber völlig leerem Gehäuse. Das war ein harter Schlag für mich weil meine Art und Weise mit Synthesizern zu arbeiten. mindestens ein analoges Modularsystem benötigt, ein Gerät also bei dem man während des Spielens die Klänge total verändern kann ohne daß es dabei zu Unterbrechungen und Störungen kommt.
     Etwa 16 Jahre vergingen und in immer größer werdenden Abständen versuchte ich über alte Kontakte, über Dynacord und wen sonst, herauszubekommen, wo Peter abgeblieben war. Eines Tages suchte ich dann wieder einmal im Gesamt-Telefonverzeichnis von Luxemburg und da fand ich 5 oder 6 "Baumänner" und einer von denen war es dann. Auch ich habe natürlich versucht ihn etwas zu bereden, aber er hat gründlich aufgeräumt. Nach mehreren Umzügen gibt es heute nicht mal mehr alte Unterlagen. geschweige denn noch ein Gerät oder ein paar Module - alles ratzeputz weg! Ein echtes Unglück für Szene, behaupte ich einfach mal.
     Sicher, es gibt heute viele Hersteller von Modularsystemen aber man muss sich die Sachen mal genauer ansehen. Peter hatte vollkommen Recht: Die "McDonaldisierung" hat zugeschlagen. Man könnte den Eindruck gewinnen, die Zeit laufe rückwärts wenn man sich anschaut, was im Vergleich zu den BME-Geräten die heute angebotenen leisten. Eines der Probleme: Es scheint nur wenigen aufzufallen, wie schlecht z.B. Tongeneratoren sein müssen, wenn man sich über deren guten oder schlechten Klang unterhält. Ein wirklich guter hat keinen Klang, er sollte exakte Kurvenformen erzeugen und keinen Klirrfaktor. Na ist doch wahr! (grummel).
       Von der Herstellung und Verkauf von Modularsystemen kann man vielleicht nicht mehr sorgenfrei leben,obwohl: Es gibt Firmen, die beschäftigen sogar Personal und leben bestimmt nicht schlecht. Wie gesagt: Schade, die Szene ist aktiv, es gibt etliche "Knöppchendreher-Treffen" und dazu reisen Menschen aus weiter Ferne an. Schade, dass es an wirklich guten Instrumenten fehlt und sich ein Großteil von Zeit und Geld fürs Kaufen, Verkaufen, und umbauen draufgeht. (Oder es ist genau das, was man will - Ansichtssache.)

 

So, das war die BME-Story aus einer persönlichen Sicht. Ich hoffe, es können dadurch einige wilde Geschichten und falsche Darstellungen die im WWW kursieren, etwas geradegerückt werden. Bei Insidern hat BME noch heute einen Namen, das zeigte schon die Resonanz auf eine Auktion die im Oktober 2004 bei Ebay lief: da bot jemand "scheinheilig" ein BME AXIOM an obwohl er genau wissen musste, daß es das ältere PM10 ist. Auch von dem, ihm bekannten Defekt war kein Wort zu lesen, nur der halbherzige Hinweis "für Bastler". Das nicht einmal besonders gut ausgestattete System wurde schließlich trotz Defektes und trotz fehlender Tastatur für knapp 1800 Euro verkauft nachdem sich sogar Synthesizerfans aus Finnland, Italien und Japan beteiligt hatten.